Netzwerk 06.12.2016

TUIS - Transport-Unfall-Informations- und Hilfeleistungssystem

Spezialwissen 'auf Abruf'

Übungseinsatz der Werkfeuerwerk im CHEMPARK
Übungseinsatz der Werkfeuerwerk im CHEMPARK

In Deutschland gehören Gefahrguttransporte zum Logistik-Alltag. Ab und zu wird jedoch Spezialwissen benötigt: bei Transportunfällen. Dann helfen die Experten von TUIS - dem Transport-Unfall-Informations- und Hilfeleistungssystem der chemischen Industrie. In diesem Netzwerk haben sich rund 130 Werkfeuerwehren und Spezialisten zusammengeschlossen. Unter ihnen ist natürlich eine der größten Werkfeuerwehren der chemischen Industrie: die Werkfeuerwehr CHEMPARK. TUIS unterstützt die öffentlichen Gefahrenabwehrkräfte - und zwar europaweit.

TUIS bietet grundsätzlich Hilfe in drei Stufen: eine telefonische Auskunft oder Beratung vor Ort sowie wenn nötig technische Hilfeleistung. Häufig geht es bei einem Einsatz vor Ort um das Umpumpen oder den Abtransport von Stoffen. Werkfeuerwehren verfügen über das Know-how im Umgang mit Chemikalien und auch über das Spezialequipment, um auf alle möglichen Gefahrensituationen reagieren zu können. Ihr Wissen und ihre Geräte stellen sie über das TUIS Netzwerk zur Verfügung.

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Kurzinterview mit Oliver Krause, Leiter des Bereichs "Einsatzvorbereitung" bei CURRENTA-Sicherheit
Oliver Krause, Leiter des Bereichs
Oliver Krause, Leiter des Bereichs "Einsatzvorbereitung"

Herr Krause - wie halten Sie und Ihre Kollegen ihr Spezialwissen immer auf dem aktuellen Stand?
Unsere Devise lautet: Lebenslanges Lernen. Die Kolleginnen und Kollegen der Werkfeuerwehr kommen mit einem guten Grundwissen aus der Ausbildung in den Dienst. Bei Schulungen und praktischen Übungen werden Spezialkenntnisse regelmäßig vermittelt und Inhalte wiederholt. Durch Rahmenkonzepte stellen wir eine einheitliche Fortbildung über alle Standorte sicher, welche auch Freiräume für örtliche Besonderheiten geben. Hierbei bauen wir nur selten auf Vorträge. Oft nutzen wir praktische Einheiten in kleinen Gruppen für die Durchführung der Fortbildungen. Übungen praktizieren wir oft in Synergie mit den gesetzlich geforderten Überprüfungen der Alarm- und Gefahrenabwehrpläne der Betriebe. So festigen sich Orts- und Prozesskenntnis, und der Kontakt mit den betrieblichen Ansprechpartnern wird aufgefrischt. Reale Einsätze sorgen nicht nur dafür, dass den Betroffenen geholfen wird, sondern bei den Feuerwehrleuten auch für eine Festigung des Erlernten. Nach jedem Einsatz finden Nachbesprechungen statt. Sowohl positive Aspekte als auch verbesserungswürdige Prozesse und Tätigkeiten werden angesprochen und, wenn erforderlich, in den Prozessen und Anweisungen verändert.

Wie sieht der Austausch mit den anderen Unternehmen aus, die sich auch an der TUIS-Initiative beteiligen?
Wir pflegen einen regen Austausch zu benachbarten Feuerwehren. Nachbarschaft ist hier nicht nur örtlich, sondern auch fachlich gemeint. Hier sind wir deutschlandweit und darüber hinaus gut vernetzt. Unter dem Dach des VCI wird ein Arbeitskreis geführt, der neben den fachlichen Aspekten auch strategische Richtungen diskutiert und kritisch bedenkt. In den letzten Jahren hat sich die Zusammenarbeit der TUIS-Werkfeuerwehren noch mehr gefestigt. Die Werkfeuerwehr CHEMPARK hat in mehreren Einsätzen mit anderen Werkfeuerwehren zusammengearbeitet. Auch hier steht der Einsatzerfolg und der Schutz von Menschen- und Tierleben, Umwelt und Sachwerten im Vordergrund.

Mit welchen technischen Spezialitäten ist die Werkfeuerwehr CHEMPARK ausgestattet?
Im Vergleich zu öffentlichen Feuerwehren (Berufs- und Freiwillige Feuerwehr) haben wir wesentlich speziellere Ausstattungen auf unseren Fahrzeugen. Die Auswahl der zu beschaffenden Sondergerätschaften hängt aber in erster Linie von der Notwendigkeit zur Vorhaltung im CHEMPARK ab. Es wird keine Sonderausrüstung angeschafft, die nicht auch innerhalb des CHEMPARK für unsere Kunden notwendig wäre. Unsere Fahrzeuge sind nur so gut wie die Infrastruktur, die wir nutzen. In der Innenstadt zum Beispiel könnte sich die Schlagkraft eines unserer Fahrzeuge kaum entfalten, weil die Wasserlieferung im Hydrantennetz der Kommune nicht ausreichend ist, verglichen mit der Pumpenleistung. Wir haben ein Konzept, was an die zu erwartenden Ereignisse im CHEMPARK angepasst ist. Vergleichen wir uns also mit anderen Werkfeuerwehren (auch hier gibt es Unterschiede), haben wir ein angemessenes Portfolio an Fahrzeugen und Geräten. Eines unserer auffälligsten Einsatzfahrzeuge ist der Turbolöscher im CHEMPARK Dormagen. Hierbei nutzen wir den Abgasstrahl zweier Flugzeugturbinen, um Wasser fein zu vernebeln und tief in eine Anlage oder weit auf entfernte Objekte zu bringen. Vor Kurzem hat dieses Fahrzeug wesentlich zum Einsatzerfolg bei einem Großbrand im CHEMPARK Leverkusen beigetragen. Außergewöhnlich ist auch der "Manipulator", ein ferngesteuerter Roboter, der mittels Kettenantrieb auch unwegsames Gelände, zum Beispiel Treppenstufen überwinden kann. Diese Geräte werden zum Beispiel auch von Kampfmittelräumdiensten verwendet, wenn es darum geht, Menschen vor Gefahren zu schützen. Durch einen mehrfach zu drehenden und zu knickenden Arm können wir Behälter öffnen oder Löcher bohren. Diesen setzen wir häufiger auch bei kleineren Ereignissen ein, um die Gefahr für unsere Einsatzkräfte so gering wie möglich zu halten. Am meisten kommen die kleinen Gerätschaften wie eine Fasspumpe oder ein explosionsgeschütztes Werkzeug zum Einsatz, um eine Gefahr abzuwenden.

Spezialfahrzeuge der Werkfeuerwehr CHEMPARK

Löschfahrzeug

11 Meter lang, 3,50 Meter hoch und 26 Tonnen schwer. Das sind die Maße des neuen Löschfahrzeugs der Werkfeuerwehr in Dormagen. Ein Wagen der Superlative. Doch absolut notwendig für die Anforderungen im CHEMPARK.

Der Turbolöscher

Der Turbolöscher: Ausgestattet mit zwei Turbinen, jede mit einer Schubkraft von 14.000 PS, kann das Spezialfahrzeug Brände in einer Entfernung von bis zu 150 Metern löschen.

Der Turbolöscher in Aktion.

Volle Power: Der Turbolöscher in Aktion.

Der Feuerwehrroboter

Eine Besonderheit der Fahrzeugflotte der Werkfeuerwehr CHEMPARK ist ein ferngesteuerter Feuerwehrroboter. Er ermöglicht auch dann noch Einsatzaktivitäten, wenn Rettungsmaßnahmen durch Menschen - beispielsweise wegen akuter Explosionsgefahr - zu gefährlich wären.

Gerätewagen Gefahrgut

Dieses Fahrzeug sieht unscheinbar aus, beinhaltet aber alle Gerätschaften, um kleine bis mittlere Ereignisse mit austretenden Chemikalien bewältigen zu können. Verschiedene Gefahrstoffpumpen, chemikalienbeständige Schläuche und nicht funkenreißendes Werkzeug sind nur ein paar Beispiele für die große Vielfalt an Sonderequipment für unsere Aufgaben. Jeder Standort verfügt über einen Gerätewagen Gefahrgut.

Mobile Fackel

Falls ein Umpumpen oder Umdrücken eines verunfallten Kesselwagens oder Containers nicht möglich ist, können brennbare Gase über die mobile Fackel sicher verbrannt werden. Die Werkfeuerwehr CHEMPARK hat dieses Gerät schon öfter bei Einsätzen eingesetzt. Die Fackel und die dazugehörigen Materialien wie Schläuche und Gefahrstoffpumpen sind auf zwei Abrollbehältern verlastet, welche auf Anforderung zur Einsatzstelle gebracht werden können.

TUIS - Daten und Fakten
130 Rund 130 Werkfeuerwehren und Spezialisten haben sich im TUIS Netzwerk zusammengeschlossen
365 Die TUIS-Leitstellen sind rund um die Uhr erreichbar - 365 Tage im Jahr.
1.000 Rund 1.000 Mal im Jahr hilft TUIS bei Transportunfällen mit Chemikalien, aber auch bei Produktions- und Lagerunfällen.
30 Seit mehr als 30 Jahren unterstützt TUIS die öffentlichen Gefahrenabwehrkräfte.
3 Das TUIS-Hilfeleistungssystem ist dreistufig. Stufe 1: Beratung per Telefon, Stufe 2: Beratung am Unfallort, Stufe 3: Technische Hilfe am Unfallort.

Video

Auf der Interschutz 2015 in Hannover präsentierte das Transport-Unfall-Informations- und Hilfeleistungssystems TUIS der deutschen chemischen Industrie auf seinem Messestand ein Diorama. Es ließ die Fachbesucher im dreidimensionalen Modellmaßstab aus der Vogelperspektive erleben, wie öffentliche Einsatzkräfte und Chemie-Werkfeuerwehren gemeinsam einen Transportunfall mit Chemikalien bewältigen.

Das Video zeigt und erläutert auch anhand von TUIS-Übungen, wie diese Hilfe konkret aussieht, sei es beim Umpumpen von Flüssigkeiten oder beim Umgang mit einem Leck im Chemikalientransporter.

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