Netzwerke 22. August 2017

Im Gespräch: Arbeitsdirektor Alexander Wagner, Bildungs-Leiter Wilhelm Heuken und Projektleiter Jürgen Karla-Brauner

Modern ist, wer digital ist

Im Gespräch (v.l.n.r.): Jürgen Karla-Brauner, Dr. Alexander Wagner und Wilhelm Heuken.

Nichts hat unser Leben und unsere Arbeitswelt so rasant verändert, wie das Internet und die damit einhergehende Digitalisierung. Von den neuen Möglichkeiten, Techniken und Arbeitsweisen profitiert auch die Ausbildung bei CURRENTA – und das muss sie auch, um weiterhin als attraktiver Arbeitgeber die Fachkräfte von morgen schon während der Ausbildung zu binden. Im Interview sprechen Arbeitsdirektor Alexander Wagner sowie die Bildungsexperten Wilhelm Heuken und Jürgen Karla-Brauner über digitale Revolutionen und analoge Altlasten, über heutige Azubis und Experten von morgen, über Chancen und Pflichten von Industrie 4.0.

Digitalisierung, Industrie 4.0, Vernetzung und E-Learning sind in aller Munde. Menschen und Maschinen, Anlagen und Produkte, Prozesse und Logistik sollen dabei digital vernetzt werden. Die digitale Revolution ist in vollem Gange. In welchem Gang fährt CURRENTA?

Wagner: ... wenn wir rechtzeitig schalten im höchsten und mit Vollgas! Industrie 4.0. ist ein weitreichender Begriff. Nicht nur für unsere Anlagen und Abläufe bedeutet das Veränderung, sondern vor allem auch für die Entwicklung der Mitarbeiter. Wir sind uns der Tragweite bewusst und gut aufgestellt – angefangen bei der Bildung. Schließlich sind unsere Azubis die kommenden Fach- und Führungskräfte.

Heuken: Wer heute den Zug der Digitalisierung verpasst, wird ihm nachlaufen müssen. Das wird uns nicht passieren. Die Ausbildung muss aktuellen Standards entsprechen und Zukunftsperspektiven integrieren. Und genau das machen wir als Ausbildungsdienstleister.

Im Technikum im CHEMPARK Krefeld-Uerdingen: Auszubildende bei der Herstellung einer Natriumcarbonatlösung mit Trockeneis und Natronlauge.

Warum ist die Digitalisierung gerade in der Ausbildung ein so großes Thema?

Wagner: Es ist unabdingbar, in puncto Digitalisierung bereits in der Ausbildung anzusetzen. Klar, wir sind in erster Linie Dienstleister für unsere Kunden. Und die benötigen gut ausgebildete und handlungsfähige Fachkräfte, um konkurrenzfähig zu bleiben. Der Arbeitsalltag unserer Kunden und Partner – und unser eigener – ist aber zunehmend digitalisiert. Es macht also nur Sinn, frühzeitig darauf vorzubereiten, sprich: auszubilden. Wir haben hier bereits in den vergangenen Jahren Investitionen in Höhe von mehreren Millionen Euro getätigt. Und auch weiterhin wird und muss hier Geld in die Hand genommen werden! Ausstattung, Räumlichkeiten, Training on the job der Ausbilder – zukunftsfähige Ausbildung kostet. Aber zahlt sich am Ende doppelt und dreifach aus.

Heißt?

Karla-Brauner: Die Azubis werden ja schon in einer digitalen Welt groß. E-Learning, virtuelle Netzwerke, Clouds, Wikis – nur wenn wir da mitgehen und -kommen, bleiben wir der attraktive Ausbildungsbetrieb, der wir heute sind. Wenn wir jetzt nach den neusten Techniken und Methoden schulen, kommt das hinterher den Betrieben zugute. Lernen muss Freude machen. Laptops und Tablets gehören schon in der Schule zum Lernalltag. Wir erfinden also nichts Neues, sondern passen unsere Ausbildung daran an.

Warum investiert CURRENTA so viel in die Ausbildung?

Wagner: Weil uns gar keine andere Wahl bleibt. Und weil wir uns bewusst und davon überzeugt sind, dass diese Wahl die richtige und eine gute ist. Die Azubis sind die Zukunft des Unternehmens. Nachwuchs an qualifizierten Fachkräften ist für CURRENTA und alle anderen Unternehmen im CHEMPARK existenziell wichtig. Mehr über kurz als über lang, wird der Fachkräfte-Nachwuchs der Hebel für die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen sein, da dann der Demografiewandel nicht länger ein Blick in die Glaskugel ist, sondern mit voller Wucht zuschlägt. Deswegen wollen wir unseren jungen Talenten ermöglichen, in einer modernen Umgebung zu lernen und nach modernsten Möglichkeiten ausgebildet zu werden. Alles andere wäre aus unternehmerischer Sicht mehr als fahrlässig.

Die neue Elektroausbildung im CHEMPARK Krefeld-Uerdingen: Hier bildet CURRENTA für viele verschiedene Unternehmen aus, unter anderem für LANXESS und Covestro.

... weil?

Heuken: Die Zufriedenheit unserer Kunden unsere Messlatte ist. Und die wollen und brauchen Azubis, die genau die Qualifikationen und Fähigkeiten mitbringen, die sie 'on the job' brauchen und vor allem die auf dem neuesten Stand sind. Daher streben wir nach ständiger Verbesserung. Immer im Blick: die Entwicklung der Konkurrenz, der Schulen und anderer Fortbildungsinstitute. Um den Azubis die bestmöglichen Startbedingungen zu verschaffen.

Wagner: Wettbewerbsfähigkeit ist für uns und unsere Kunden nur gewährleistet, wenn der Nachwuchs nach modernsten Standards ausgebildet ist. Im Betrieb kann Jung von Alt lernen – und umgekehrt auch. Langjährige Erfahrung und natürliche Medienaffinität befruchten sich gegenseitig. Der eine bringt die fachliche Routine, der andere die Digitalisierung. Zusammen? Unschlagbar!

Karla-Brauner: Hinzu kommt, dass wir nicht nur von den Kunden als moderner Ausbildungsdienstleister wahrgenommen werden wollen, sondern auch von unseren Azubis selbst. Ihr regelmäßiges Feedback vermittelt uns die aktuellen Anforderungen an eine moderne Ausbildung.

Gibt es dazu konkrete Projekte bei CURRENTA, wie die Digitalisierung effektiv in die Bildung integriert wird?

Heuken: Ja – und dabei geht es nicht nur um Digitalisierung, sondern um den gesamten Bildungsbereich. Um den Anforderungen gerecht zu werden, haben wir in den vergangenen Jahren viel investiert und werden auch weiter investieren. Unser eigens erarbeitetes Zukunftsprojekt 'Bildung 2020' bildet parallel dazu den strategischen Rahmen für die kommenden Jahre, Einzelprojekte an den Standorten setzen operativ Zeichen.

Von welchen Projekten sprechen wir hier?

Heuken: Ich konzentriere mich auf die größeren: In Krefeld-Uerdingen wird aktuell das technische Ausbildungszentrum saniert. Die Elektroausbildung, als erster Bauabschnitt, wurde bereits im März eingeweiht. In Leverkusen baut die naturwissenschaftliche Ausbildung das 'MultiPlantCenter4.0' aus, wo Nachwuchskräfte berufsübergreifend ausgebildet werden – vom Labor bis zum Technikum, inklusive dem Einsatz digitaler Medien. In Dormagen ist das umgebaute Ex-Technikum bereits in Betrieb. Aber auch hier müssen wir nochmal erweitern, beispielsweise durch moderne Schulungsräume. Insgesamt investieren wir seit 2012 rund sieben Millionen Euro.

Karla-Brauner: Allein in Technik zu investieren reicht aber nicht aus. Auch moderne, zeitgemäße Didaktik und eine große Auswahl von Lernmethoden, die sich an den Ansprüchen der Auszubildenden orientieren, sind für eine gute Ausbildung essenziell.

In der technischen Ausbildung von CURRENTA wird handlungsorientiertes Lernen groß geschrieben.

Welche Neuerungen und Innovationen sind bereits umgesetzt?

Heuken: Beispiele für moderne Arbeitsmittel, mit denen bereits gearbeitet wird, sind Smartboards, Whiteboards und höhenverstellbare Werkbänke, aber auch digitale Plattformen nutzen wir bereits. Dabei vergessen wir natürlich unser Berufskolleg in Leverkusen nicht.

Karla-Brauner: Darüber hinaus ist das Arbeiten an Laptops Normalität für unsere Azubis. Dazu gehört auch unser 'Ausbildungs-Wikipedia' als digitales Lexikon. Durch Smartphone und Tablet sind es die Azubis gewöhnt, von überall auf alles zuzugreifen. Viele Schulen bieten diese Möglichkeit bereits. Also wird sie auch in der Ausbildung verlangt.

Blick in die Zukunft: Wie wird die Ausbildung in fünf Jahren aussehen?

Heuken: Bei fortschreitender Digitalisierung in dieser Geschwindigkeit kann in fünf Jahren viel passieren. Aktuell arbeiten wir an einer Lösung zum mobilen Arbeiten der Auszubildenden. Beispiel hierfür ist unsere Azubi-Cloud, die Lerninhalte für alle zu jeder Zeit und an jedem Ort verfügbar machen kann – und die den Azubis bei der Vernetzung, beispielsweise bei Projekten und Teamarbeit, hilft. Darüber hinaus wird es für die CURRENTA-Azubis mobile Tablets geben und zusätzlich an verschiedenen Lernstationen Tablets, die als Schnittstellen-Medien allen zur Verfügung stehen.

Karla-Brauner: Und wir müssen unsere Ausbilder und Azubis darauf trainieren, mit der neuen Umgebung und den neuen Methoden umzugehen, ohne aber die Fachlichkeit des Berufes zu vernachlässigen.

Wagner: Uns von Entscheiderseite ist es wichtig, die Arbeitsmittel zur Verfügung zu stellen, die für heutige Anforderungen benötigt werden, die nachhaltig und zukunftsweisend sind. Das Tablet ist das Handwerkszeug der Zukunft, nicht Block und Bleistift – so viel steht fest. Und das cloudbasierte Arbeiten bietet die Möglichkeit, digitalisierte Lehr- und Lernmethoden sinnvoll zu nutzen und einzusetzen. In die Glaskugel können wir nicht schauen. Aber wir sind überzeugt, dass wir uns gut aufgestellt haben: mit Innovationen und Investitionen in die Aus- und Fortbildung – und mit Verantwortung und Augenmaß. Damit setzen wir klare Zeichen. Und den Fuß fest aufs Gaspedal.

Hintergrundinformationen

Ausbildung in über 25 Berufen

An den drei CHEMPARK-Standorten Leverkusen, Dormagen, Krefeld-Uerdingen und am Bayer-Standort Wuppertal bildet CURRENTA Jugendliche in über 25 Berufen im naturwissenschaftlichen, technischen, kaufmännischen und gastronomischen Bereich aus: von "A"wie Automatisierungselektroniker über Chemikant und Laborant bis "Z" wie Zerspanungsmechaniker. Ergänzt wird das Angebot durch sieben kombinierte Ausbildungs- und Studiengänge, wie z. B. Wirtschaftsinformatiker.

Die Ausbildung wird zukunftsorientiert und zentral koordiniert durchgeführt. Die enge Verknüpfung von Theorie und Praxis bereitet die Nachwuchskräfte auf ein breites Aufgabenspektrum für die berufliche Zukunft vor.

Weitere Informationen zur Ausbildung finden Sie im CURRENTA-Internet.

Fotogalerie: Ausbildungsberufe im Bild

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