Betrieb - 01.12.2014

LANXESS-Einkäufer Christoph Lammertz im Interview

IE3: Formel zum Sparen

Energiesparmotoren kommen im CHEMPARK immer häufiger zum Einsatz. Den Impuls dazu hat vor allem Christoph Lammertz, Leiter Einkauf Technik und Verpackung bei LANXESS, gegeben. Im Gespräch schildert er erste Erfahrungen aus der Praxis und zeigt Potenziale auf.

Christoph Lammertz, Leiter Einkauf Technik und Verpackung bei LANXESS

Herr Lammertz, warum haben Sie im CHEMPARK den Einsatz von IE3-Motoren schon vor der gesetzlichen Pflicht voran getrieben?
Christoph Lammertz: Zwei Aspekte waren entscheidend: Zum einen wollten wir uns bei LANXESS mit den neuen Anforderungen der Europäischen Kommission für Niederspannungs-Drehstrommotoren frühzeitig vertraut machen, um bei der verpflichtenden Einführung bestmöglich vorbereitet zu sein. Gleichzeitig haben mehrere Untersuchungen noch einmal unterstrichen, dass sich eine Umrüstung in vielen Fällen nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich lohnt – unter anderem die Forschungen einer angehenden Wirtschaftsingenieurin, die ihre Abschlussarbeit zu diesem Thema bei uns verfasst hat. Deshalb haben wir bereits vor der gesetzlichen Verpflichtung begonnen, Niederspannungsmotoren an den Standorten Leverkusen, Dormagen und Uerdingen durch effizientere IE3-Motoren zu ersetzen.

Welche Erfahrungen haben Sie bislang sammeln können?
Christoph Lammertz: Die bisherigen Erfahrungen waren ausgesprochen gut. Auf unsere Initiative hin wurde im April 2013 damit begonnen, den Motorenpool bei TECTRION auf IE3-Motoren umzurüsten. Im ersten Jahr haben wir rund 400 IE3-Motoren über den Pool geliefert bekommen. Die schnelle Umsetzung spricht für die große Akzeptanz, die dieses Projekt hat.

Ist es nach Ihrer Erfahrung sinnvoller, einen Motor bis zum Ende seiner Lebensdauer zu betreiben, bis er sich nicht mehr reparieren lässt? Oder überwiegen die Energiesparvorteile von IE3-Motoren?
Christoph Lammertz: Das ist von mehreren Faktoren abhängig und muss letztlich von Fall zu Fall bewertet werden. Was man aber sagen kann, ist, dass es sich dank technischer Verbesserungen mittlerweile häufiger rechnet, einen Motor mit Störung oder Defekt auszutauschen anstatt ihn zu reparieren. So werden bei uns mittlerweile Motoren nur noch dann repariert, wenn die Reparaturkosten bei höchstens 50 Prozent der Kosten für die Anschaffung eines neuen Motors liegen. Vorher lag dieser Wert noch bei 80 Prozent.

Um wieviel Prozent konnten Sie Ihre Betriebskosten durch den Wechsel zu IE3-Motoren bereits verringern?
Christoph Lammertz:
Das Projekt ist bei uns noch relativ neu, wir werden es zu einem späteren Zeitpunkt auswerten. Bei einem von uns anvisierten Austausch von 400 bis 600 Motoren pro Jahr werden wir in 15 Jahren die allermeisten Motoren gewechselt haben. Durch die verbesserte Energieeffizienz erhoffen wir uns dann Energiekosteneinsparungen in Höhe von insgesamt rund drei Millionen Euro im Vergleich zu heute. Gleichzeitig werden wir nach unseren Berechnungen die CO2-Emissionen nach zehn Jahren um knapp 20.000 Tonnen reduzieren können. So können wir okönomische und ökologische Ziele in Einklang bringen.

Hat Ihnen das Projekt auch persönlich Spaß gemacht?
Christoph Lammertz: Auf jeden Fall. Vor allem, weil wir in einer großen Gruppe mit mehreren Unternehmen schnell entschieden und die Maßnahmen zügig umgesetzt haben. Es war eine sehr partnerschaftliche Zusammenarbeit.

Weiterlesen:

§ EU-Verordnung zu Elektromotoren

Die Europäische Kommission hat im Jahr 2009 auf der Basis der Ökodesign-Richtlinie 2005/32/EG eine Verordnung verabschiedet, die die Anforderungen an Elektromotoren festlegt. Damit gibt es in Europa erstmals verbindliche Regelungen für neu angeschaffte Motoren und den Einsatz von Frequenzumrichtern.

In dieser Verordnung werden für die verschiedenen Leistungsklassen folgende IE-Effizienzklassen als gesetzliche Mindestenergie-Effizienzstandards vorgegeben:

  • Leistungsklasse 0,75- 75 kW: mindestens IE2 (ab Juni 2011)
  • Leistungsklasse 7,5-375 kW: mindestens IE3 oder IE2 mit Frequenzumrichter (ab Januar 2015
  • Leistungsklasse 0,75-375 kW: mindestens IE3 oder IE2 mit Frequenzumrichter (ab Januar 2017)

Für Motoren in bestimmten Einsatzbereichen hat die EU Ausnahmeregelungen getroffen. So sind beispielsweise Motoren, die unter besonderen Sicherheitsaspekten oder in Flüssigkeiten betrieben werden müssen, von der Richtlinie ausgeschlossen.

Einsparpotenzial
IE3-Motoren unterschiedlicher Baugröße und Leistung

In Deutschland sind rund 35 Millionen Niederspannungs-Drehmotoren im Einsatz. Der Zentralverband Elektrotechnik und Elektroindustrie e. V. schätzt, dass durch den Austausch mit IE3- oder IE2-Motoren mit Frequenzumrichtern bis zu 38 Terawattstunde pro Jahr (entspricht 1 Million Megawattstunden pro Jahr) eingespart werden. Bei einem Energiepreis von 10 Cent/kWh bedeutet dies eine Energiekosteneinsparung von 3,8 Milliarden Euro pro Jahr.

 

 

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