Gesellschaft - 09.12.2015

Wilhelm Heuken im Gespräch

Wir schaffen optimale Bedingungen für eine gute Ausbildung!

Wilhelm Heuken ist Leiter des CURRENTA Geschäftsfelds Bildung.
Wilhelm Heuken ist Leiter des CURRENTA Geschäftsfelds Bildung.


Seit drei Jahren leitet Wilhelm Heuken das Geschäftsfeld Bildung bei CURRENTA. Wir sprachen mit ihm über seine Arbeit, das Vertreten von Bildungsinteressen und über die 'Generation Y'.

In welchen Gremien engagiert sich CURRENTA Bildung?

Die wesentlichen Institutionen auf Bundesebene sind zum Beispiel das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) und der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC). In einigen Gremien beteiligen wir uns als Unternehmensvertreter in Bildungsfragen politisch richtungsgebend und beratend. In anderen diskutieren wir Fragen der beruflichen Bildung mit Experten aus der Bildungsforschung. Zudem werden Positionen abgestimmt, die dann bundesweit in die Bildungslandschaft einfließen. Auch beschäftigen wir uns mit der Erstellung und Aktualisierung von Ausbildungs- und Fortbildungsordnungen oder widmen uns konkreten Umsetzungsvorschlägen zur 'Ausbildung in der Industrie der Zukunft'. Das Portfolio hegt aber auch unternehmensseitig einen ehrgeizigen Anspruch. Die Interessen kleiner, mittelständischer Unternehmen genauso wie die der international aufgestellten und agierenden Unternehmen zu bündeln.

Wie wichtig ist die Zusammenarbeit mit den Industrie- und Handelskammern?

IHK-Auszeichnung für herausragende Leistungen in der Berufsausbildung
IHK-Auszeichnung für herausragende Leistungen in der Berufsausbildung

Mit den Industrie- und Handelskammern arbeiten wir sehr eng zusammen. Denn: Das Finale der Ausbildung spielt jeder Auszubildende in der IHK-Abschlussprüfung. Dort sitzen wir mit anderen Unternehmen in Prüfungsausschüssen, stellen auch Ausschuss-Vorsitzende. Eine gute Abschlussprüfung ist der Nachweis für ein qualitativ hohes Leistungsniveau. So können sich unsere Kunden darauf verlassen, dass Absolventen nachprüfbare Kompetenzen erworben haben. Auf dieser Ebene fließt viel Input – auch für die künftige Ausgestaltung von Ausbildungen – aus dem branchenübergreifenden Berufsbildungs-Ausschuss, in dem ich selber mitwirke.

Was sind Ihre Schwerpunkte auf dem Feld der Bildungspolitik?

Wir sind mit CURRENTA gemeinsam auch auf der politischen Landesebene aktiv. Es geht allgemeiner darum, hier in NRW gute Ausbildungsbedingungen in der Industrie zu schaffen und Arbeitsplätze zu erhalten. Auf europäischer Ebene sind wir insbesondere mit dem deutschen dualen Ausbildungssystem als Erfolgsmodell im Austausch mit Bildungsvertretern. Aber nicht nur in Brüssel. Immer wieder besuchen uns Gruppen aus Asien, Lateinamerika und Europa, um sich über das Erfolgsmodell im CHEMPARK zu informieren.

Wie tauschen Sie sich mit den Kunden aus?

Die Frage ist ja erst einmal, wer ist eigentlich Kunde? Natürlich sind es die Unternehmen. Sie sind unsere Auftraggeber. Ich persönlich betrachte aber auch die Azubis direkt als Kunden, denn sie stehen im Mittelpunkt unserer Bemühungen. Wir haben 2015 ein Azubi-Feedback eingeführt, weil die Rückmeldung auf dieser Ebene sehr wichtig ist. Aus den Ergebnissen leiten wir Maßnahmen ab, die wir beispielsweise im Bereich Ausstattung oder Ausbilderqualifizierung umsetzen. Auf Unternehmensseite gibt es regelmäßige Kundengespräche. In diesen tauschen wir uns mit den jeweiligen Vertretern der Personalabteilungen zu strategischen Fragen aus oder stimmen Vorgehensweisen ab. Darüber hinaus arbeiten unsere Ausbilder eng mit den betrieblichen Ausbildern zusammen. Nicht zuletzt bekommen wir auch indirekt Rückmeldung über die Qualität unserer Ausbildung bei den jährlichen Ehrungen der Jahrgangsbesten durch die IHK.

Können Sie auch Einfluss auf die Gestaltung von Ausbildungsordnungen o. ä. nehmen?

In einem gewissen Rahmen funktioniert das, da wir eine große Bildungseinrichtung sind. Aber wir sind da nicht allein, und andere Unternehmen haben ebenfalls starke Interessen. Zunächst einmal nutzen wir die Möglichkeiten der Verordnungen, denn der Gesetzgeber hat neben den Pflichtqualifikationen für jeden Ausbildungsberuf auch Ausgestaltungsmöglichkeiten geschaffen: die Wahlqualifikationen. Mit diesem Instrument folgen wir den veränderten Anforderungen der Betriebe.

Können Sie ein Beispiel geben, das zeigt, wie neue Impulse aufgenommen und umgesetzt wurden?

CURRENTA bildet u.a. Werkfeuerwehrleute aus.
CURRENTA bildet u.a. Werkfeuerwehrleute aus.

Das anschaulichste Beispiel ist sicherlich die durch uns initiierte – inzwischen anerkannte – Ausbildung der Werkfeuerwehrleute. Bisher musste der Feuerwehrmann eine Berufsausbildung vorweisen, bevor er in die Weiterqualifikation zum Feuerwehrmann startete. Insgesamt dauerte es somit fast sechs Jahre bis zum Abschluss. Das ist eine lange Zeit. Gemeinsam mit Vertretern der Feuerwehr haben wir den Ausbildungsberuf des Werkfeuerwehrmanns entwickelt und mit Inhalten gefüllt. Die Ausbildung gliedert sich in zwei Blöcke: 18 Monate lang bekommt der Nachwuchs eine naturwissenschaftlich-technische Ausbildung. In der zweiten Hälfte geht es um die Feuerwehrtechnik. Nach drei Jahren haben wir dann perfekt auf die Bedürfnisse der Industrie ausgebildete Fachkräfte mit Spezialwissen. Solche Impulse entstehen aus der Überlegung, wie man Prozesse optimieren kann. Da können wir als CURRENTA Bildung auch noch viel stärker in eine Beratungsfunktion für unsere Kunden treten und ihnen ähnliche Optimierungsmöglichkeiten aufzeigen.

Wie lange dauerte der Prozess?

Alles in allem – von der ersten Idee bis zur Anerkennung – waren es ungefähr fünf Jahre.

Wie viele Unternehmenskunden hat CURRENTA Bildung eigentlich?

Da sind Bayer, Covestro, LANXESS und die CURRENTA selbst. Dann die Ausbildungsinitiative Rheinland – AIR, die dann wiederum mit zahlreichen Partnerbetrieben zusammenarbeitet. Da haben wir etwa 200 an der Hand. Aber auch Unternehmen im Umfeld unserer Standorte nehmen unsere Ausbildungsleistung in Anspruch: Novasep, BASF, Momentive, KRONOS TITAN, Evonik oder der Flughafen Köln/Bonn. Eine breite Palette.

Aber CURRENTA Bildung kümmert sich auch um Fort- und Weiterbildungen, oder?

Fortbildung zum Industriemeister Chemie
Fortbildung zum Industriemeister Chemie

Das ist ein zweiter Bereich. In Abendkursen bilden wir beispielsweise die Chemiemeister oder -techniker aus. Also eine wichtige Führungsebene. Das sind anspruchsvolle Fortbildungen, die die Mitarbeiter abends und an den Wochenenden absolvieren. Im Bereich Weiterbildung erweitern wir für CHEMION die Qualifikation der Logistik-Fachkräfte um einen 'Chemie-Baustein'. Insgesamt ein relativ kleines Geschäft, aber von hoher Bedeutung für uns und die Unternehmen. In Zahlen sind es momentan etwa 500 Abendkurs-Teilnehmer. Im Tagesschulbetrieb schwankt die Zahl jährlich zwischen 1.500 und 1.600 Schülern.

Was sind die Herausforderungen der Zukunft für Ihr Geschäftsfeld?

Die Welt verändert sich immer schneller – auch die Azubi-Welt. Die 'Generation Y' formuliert viel klarer ihre Bedürfnisse und Wünsche, ganz andere Aspekte sind für die jungen Menschen wichtig. Sie gehen ganz selbstverständlich mit den neuen Medien um, sind vernetzt. Darauf müssen wir uns als Ausbildungsbetrieb einstellen und schauen, wie wir diese Fähigkeiten in den Ausbildungsalltag einbauen und nutzen.

Was wollen Sie als Leiter des Geschäftsfelds Bildung erreichen?

Unsere Ausbildung muss so gut und anerkannt sein, dass alle Azubis am Prüfungstag mit ihrem Facharbeiterbrief direkt vom Arbeitsmarkt aufgesogen werden. Vor dem Tor stehen bereits die Personaler der Unternehmen und bieten ihnen eine Arbeitsstelle an - sofern sie nicht bereits vor der Prüfung eine Zusage bekommen hatten. Dann haben wir hier alle einen richtig guten Job gemacht!

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