28. Mai 2018CURRENTA, Halle A6, Stand 450

Neue Entwicklungen – vom Anlagenbau bis zur Digitalisierung

Perspektive auf die Baustelle des neuen SCR-Katalysators
Perspektive auf die Baustelle des neuen SCR-Katalysators

Digitalisierung und Industrie 4.0 sind Synonyme für weitreichende Änderungen in Gesellschaft und Industrie. In der Entsorgungsbranche können bestehende Entsorgungs- und Recyclingprozesse sowie viele Prozessschritte zur Abfalldatensammlung und Speicherung durch Digitalisierung weiter optimiert werden. CURRENTA hat sich bereits vor einigen Jahren auf diesen Weg gemacht. Von der Abfallannahme über die Behandlung von Sonderabfällen bis hin zur Datenspeicherung wurden neue IT-Systeme und Softwarelösungen installiert. Zudem wurden Forschungs- und Technikumsprojekte erfolgreich aufgesetzt. Was sich im Einzelnen hinter diesen Entwicklungen verbirgt und welche Vorteile für die Kunden der CURRENTA sich daraus ergeben, wird auf der IFAT 2018 in Halle A 6, an Stand 450 den Messebesuchern vorgestellt.

Katalysator der Sonderklasse
Rund 18 Millionen Euro investiert CURRENTA  in einen zweiten Katalysator am Standort Leverkusen, um die Stickoxide in den Rauchgasen der Sonderabfallverbrennungsanlagen weiter zu reduzieren. Ab Januar 2019 werden rund 2,5 Tonnen Ammoniak-Lösung täglich die NOx-Emissionen der Anlage auf der Oberfläche des neuen Katalysators in Stickstoff überführen. Durch den Neubau des zweiten Katalysators können die vier Verbrennungsanlagen flexibler gefahren und bei Revision eines Katalysators der Anlagenbetrieb weiter aufrecht gehalten werden. CURRENTA startete mit der österreichischen Firma Andritz als Generalunternehmer im  November 2017 den Bau dieser Anlage.

Mit i-Floc zur automatisierten Schwermetallabscheidung
Die Rauchgase der Sonderabfallverbrennungsanlagen im CHEMPARK Leverkusen werden unter anderem mit Wasser gereinigt. Dabei zieht ein Saugzug die Rauchgase nach der Verbrennung durch feine Wassernebel. Die im Wasser befindlichen Schwermetalle und Staubpartikel werden in einer nachgeschalteten Waschwasserreinigungsanlage aus dem Wasser entfernt. Rund 100 Kubikmeter belastetes Wasser reinigt die Anlage stündlich, die CURRENTA in diesem Jahr mit acht neuen, automatisch betriebenen Kammerfilterpressen ausgestattet und fertiggestellt hat. Ein lasergestütztes Analysentool, das i-Floc, prüft den Wasserstrom auf dem Weg zu den Filterpressen und veranlasst bei Bedarf die Zudosierung von weiteren Mengen an Neutralisations- und Fällungsreagenzien. So verläuft auch die Schwermetallabscheidung automatisch.

Entsorgung trifft Digital
Digitalisierung und Industrie 4.0 sind Synonyme für eine Entwicklung, die sich auch in der Entsorgungsbranche vollzieht. CURRENTA strebt seit einigen Jahren für die Steuerung der Entsorgungsprozesse von Sonderabfällen der drei CHEMPARK-Standorte eine zentrale, digitalisierte Lösung an. Von der Abfallerzeugung über Transport, Abfallannahme und Entsorgung in den Drehrohröfen und Deponien bis zur Dokumentation und Rechnungserstellung wird zukünftig eine umfassende IT-Umgebung die Prozesse erfassen, steuern und compliancegerecht dokumentieren. Die Software ELIAS wird den Prozess unterstützen. An kameraüberwachten Annahmestationen können die LKW-Fahrer ihre abfallrechtlichen Begleitpapiere auf Wunsch selber signieren und ausdrucken während gleichzeitig die Container- und abfallspezifischen Containernummern von Kameras erfasst und ebenfalls ins System eingepflegt werden. Eine Sichtkontrolle der zu entsorgenden Abfälle ist ebenso möglich. Nach der Freigabe durch eine zentrale Abfallrechtswarte kann der Transport der Abfälle zur Entsorgungsanlage beginnen. Das System erfasst anschließend die erfolgte Entsorgung, dokumentiert diese gesetzeskonform und erstellt eine Rechnung für den Kunden. Das neue System ermöglicht für die drei CHEMPARK-Standorte eine zentrale Abfallübergabestelle, die den Kunden rund um die Uhr zur Verfügung steht, und durch die weiteren, softwareoptimierten Prozessschritte eine schnellere und reibungsfreiere Entsorgung und Abrechnung.

Mit GATE geht´s gut
GATE hat die durchschnittliche Verweilzeit von LKW an den Toren der drei CHEMPARK-Standorte um rund 60 Minuten reduziert, Prozessabläufe optimiert, die Abfertigungskapazitäten erweitert und die Transparenz erhöht durch Echtzeit-Dokumentation.

Mit GATE wird das Fahrzeug bei der Einfahrt in die GATE-Spur anhand von RFID-Tags identifiziert, die an zahlreichen Fahrzeugkomponenten montiert sind. Zusätzlich identifiziert sich der Fahrer mit einer Flow-Card und biometrisch mittels Fingerabdruck. Die Folge: In Sekundenschnelle gelingt die sichere Zuordnung von Fahrzeug und Fahrer zu den entsprechenden Versandaufträgen. Druckfrisch erhält der Fahrer seine Begleitformulare für den vorgesehenen Ladeauftrag im CHEMPARK. Zudem werden die Fahrzeuge während des Registrierungsprozesses auf den GATE-Spuren gewogen – ein zusätzlicher Zeitgewinn.

Parken, Aussteigen und Schalterabfertigung entfallen. Elektronisch kontrolliert der Werkschutz bei der Einfahrt an den Toren, ob alle Daten und logistischen Schritte ordnungsgemäß erledigt worden sind. Durch die Digitalisierung dieses Prozesses können 480.000 Transporte und über 1 Million Versandaufträge pro Jahr noch effizienter bearbeitet werden.

Mehr Entsorgungsleistung dank Logistik
Die Bedeutung der Logistik für die Entsorgung von Sonderabfällen zeigt ein Blick auf das Bunkergebäude, die Tanklager oder die Übernahmestationen für Container an den Entsorgungsanlagen. Neben dem Antransport der Abfälle ermöglicht die sichere Zwischenlagerung von Feststoffen oder Flüssigkeiten den Disponenten die Anlagen optimal zu nutzen. Am CHEMPARKstandort Dormagen hat der Chemielogistiker CHEMION ein neues Containerterminal errichtet. Dort können bis zu 200 der 20 Kubikmeter Container gelagert werden. Damit kann der CHEMPARKmanager und –betreiber CURRENTA die Entsorgung von Sonderabfällen logistisch von der Produktion entkoppeln. Bis zu 4.000 Kubikmeter flüssige Sonderabfälle können bei Revisionen oder Stillständen der SAV zwischengepuffert werden. Für die Produzenten im CHEMPARK bedeutet dieses Zwischenlager eine erhöhte Entsorgungssicherheit. Und für CURRENTA ist es eine Möglichkeit,  die eigenen SAVen gleichmäßiger und stärker auszulasten.

Forschung für höhere Reinigungsleistung
Im Bereich Forschung und Entwicklung haben die Kooperationen der CURRENTA mit Hochschulen und Forschungsinstituten zu grundsätzlichen Lösungsansätzen im Bereich der industriellen Abwasserreinigung geführt. So konnten in einer Technikums-Anlage, die das CURRENTA-Gemeinschaftsklärwerk Leverkusen im Maßstab 1:45.000 abbildet, die Bedingungen für das Auftreten von Schaum und fadenförmigen Organismen bei unterschiedlichen Temperaturniveaus ermittelt werden. Das Ergebnis der Versuche war eine Kombinationslösung aus Fällung von Fettsäuren durch Eisenchlorid-Salze und einer anschließenden Flockung durch Zugabe von Polymeren. Der Bau einer Anlage entsprechender Größe am Auslass des Gemeinschaftsklärwerkes wird zur Zeit vorangetrieben.

Desweiteren konnte mit Hilfe der Kleinkläranlage die maximale Salzkonzentration im Abwasser ermittelt werden, bei noch eine stabile Nitrifikation stattfindet. Da die CHEMPARK-Standorte produktionsbedingt hohe Salzfrachten haben, hat dieser Test eine besondere Bedeutung für eine effiziente Reinigung industrieller Abwässer.

Für die Kläranlage eines anderen Chemieparks testeten die CURRENTA-Forscher einzelne Abwasserströme auf mögliche Geruchsbildung. Die Abwasserströme wurden mit Fentons Reagenz oxidativ vorbehandelt und anschließend der Kleinkläranlage zugeführt. Die entstehende Gasphase wurde beprobt und einer externen olfaktorischen Prüfung unterzogen. Durch diese Versuche konnte der geruchsfördernde Abwasserstrom identifiziert werden.

Seit 2017 ist auch am Standort Dormagen eine Technikumsanlage in Betrieb. Mit über drei Meter hohen Plexiglaszylindern wird die bestehende Biologie des Industrieklärwerkes der CURRENTA im Maßstab 1:10.000 nachgebaut. Die wesentlichen Parameter wie beispielsweise pH-Wert, Sauerstoffsättigung, TOC-Gehalt oder Schlammalter können eingestellt werden. Die Auswirkungen der Abwässer einzelner Kunden auf die Biologie zeigen sich in dem Modell deutlich schneller als im Original und können leicht beobachtet und analysiert werden.

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