Netzwerke, 28. Mai 2019

Kundenevent mit Dauerbrennerqualitäten

Der 15. Brandschutztag – Treffpunkt für die deutschsprachige Eisenbahnbranche

Der Brandschutztag Schienenfahrzeuge hat sich mit mehr als 200 Teilnehmern zu einem der erfolgreichsten Kundentage der CURRENTA entwickelt – weit über die Grenzen des CHEMPARK hinaus.
Der Brandschutztag Schienenfahrzeuge hat sich mit mehr als 200 Teilnehmern zu einem der erfolgreichsten Kundentage der CURRENTA entwickelt – weit über die Grenzen des CHEMPARK hinaus.

Gerade der Brandschutztag zeigte, dass die Leistungen der CURRENTA – in diesem Fall der Brandtechnologie – auch immer mehr Kunden außerhalb des CHEMPARKS ansprechen. Zu 80 Prozent sind die Teilnehmer sogar mehrheitlich von jenseits des Werkszauns und jeder Fünfte sogar aus dem Ausland ins Baykomm angereist.

Der 15. Brandschutztag Schienenfahrzeuge, am 9. Mai 2019, wurde mit weit über 200 Teilnehmern seiner Rolle als sehr gut besuchte CURRENTA-Kundenveranstaltung auch dieses Jahr gerecht. Denn wer einmal teilgenommen hat, weiß den Wert und das Niveau des fachlichen Austausches zu schätzen und kommt in der Regel jedes Jahr wieder. „Natürlich nutzen wir den Tag auch um neue Analyseverfahren vorzustellen. Primär lebt die Veranstaltung aber davon, dass wir aktuelle nationale und globale Trends im Brandschutz auf der Schiene in seiner ganzen Bandbreite thematisieren – angefangen bei der Gesetzes- und Normenlage über neue Prüfverfahren bis hin zur Analyse von Brandereignissen“, erklärt Michael Halfmann, Veranstalter des Kundenevents und Leiter der CURRENTA-Brandtechnologie.

Mehr als 80 Prozent der Teilnehmer stammen gar nicht aus dem CHEMPARK. Jeder fünfte Teilnehmer kommt sogar aus dem Ausland, vor allem der Schweiz und Österreich, nach Leverkusen ins Baykomm. Inzwischen hat sich der Brandschutztag mit Fug und Recht zur „Pflichtveranstaltung“ für die deutschsprachige Eisenbahn-Community entwickelt. Mit gerade einmal fünf Prozent nutzen aktuell wenige CHEMPARK-Partner die Veranstaltung für sich. Verwunderlich, da neben hochkarätigen Vorträgen sich die Liste der Teilnehmer wie das „Who ist who“ der Eisenbahnbehörden, -betreiber und Fahrzeughersteller liest. Zudem bieten Veranstaltung und die BayKomm-Räumlichkeiten ausreichend Gelegenheit und den Rahmen ins (Fach-)Gespräch zu kommen.

Genauso wichtig wie die inhaltsstarken Fachvorträge und Diskussionen im Auditorium sind die Pausen dazwischen, um individuelle Fragestellungen zu erörtern.

Drei Themenblöcke

Aktuelles aus den Behörden

Den Auftakt der wieder traditionell von Prof. Friedrich-Wilhelm Wittbecker, Bergische Universität Wuppertal, moderierten Veranstaltung bildete der Vortrag von Michael Justinger aus dem Eisenbahnbundesamt, der die neuen in der EIGV (Eisenbahn-Inbetriebnahme-Genehmigungs-Verordnung) und 4. Eisenbahnpaket beschriebenen Vorgaben zur Zulassung von Eisenbahnfahrzeugen interpretierte und praxisbezogen beschrieb. Wie die Europäische Eisenbahnagentur (ERA), den Schienenverkehr in Europa durch Vereinfachungen und Aktivitäten besser zusammenwachsen lassen und somit global konkurrenzfähiger machen will, standen im Mittelpunkt von Frank Leissners Vortrag, der eigens zum 15. Brandschutztag nach Leverkusen aus der ERA-Zentrale im nordfranzösischen Valenciennes angereist war.

Die zur Norm passende Materialprüfung

Dr. Julian Bulk schlug nach den Behördenvertretern den Bogen von der „trockenen“, aber für das CURRENTA-Brandschutzlabor existenziell wichtigen Rechtskost wie der EN 45545-2 (Brandschutz in Schienenfahrzeugen, Teil 2: Anforderungen an das Brandverhalten von Materialien und Komponenten), zu den passenden Materialprüfungen. So bietet das Labor einen fünfstufigen Brandverhaltensnachweis, kurz F.I.R.S.T., aus einer Hand an. Je nach individuellem Ziel und Auftrag werden alle oder nur einige der Materialkennwerte zur Flammenausbreitung (Flame spread), Entzündbarkeit (Ignitability), Wärmefreisetzungsrate (Rate of heat release), Rauchdichte (Smoke density) und Rauchgastoxizität (Toxicity) im Labor untersucht.

Michael Halfmann hob im anschließenden Vortrag die wichtigsten Veränderungen hervor, die sich im Zuge der Revision der EN 45545-2 ergeben. Dazu gehören zum einen das Ausgliedern von Prüfanweisungen für Sitze und Toxizität und zum anderen Erleichterungen bei der Beurteilung bestimmter Komponenten.

Michael Halfmann, Leiter der Brandtechnologie, gab Einblick in aktuelle Veränderungen der europäischen Normen und erläuterte deren Einfluss auf Materialprüfungen im Labor.
Michael Halfmann, Leiter der Brandtechnologie, gab Einblick in aktuelle Veränderungen der europäischen Normen und erläuterte deren Einfluss auf Materialprüfungen im Labor.

Brandschutz in der Praxis und Markttrends

Das letzte Drittel des Brandschutztages begann Kreisbrandinspektor Werner Böcking praxisnah mit der Schilderung des ICE-Brandes am 12. Oktober 2018 bei Montabaur, indem er Einblick in die Brandentwicklung sowie die Strategie der Feuerwehr gab.

Auch für Folgeredner Dr. Fabian Brännström, Thermodynamiker bei Bombardier Transportation in Berlin, liefern solche Brandereignisse wichtige Erkenntnisse für sein Spezialgebiet – die Modellierung von Bränden in Fahrgasträumen. Auch die CURRENTA simuliert immer häufiger den Verlauf von Bränden sowie die maximale Wärmefreisetzungsrate. Generell mangelt es nach Brännströms Erfahrung immer noch an einheitlichen und somit vergleichbaren Szenarien, da bei der Modellierung sowohl vereinfachte als auch komplexe Methoden wie CFD (computational fluid dynamics) zum Einsatz kommen.

Den Blick für globale Trends und Märkte schärfte Abschlussredner Dr. Jürgen Heyn vom TÜV Süd, der seit vielen Jahrzehnten die Entwicklung der Eisenbahntechnik mitgestaltet. Wie auch im Automobilbereich verzeichnen zum Beispiel alternative Antriebe auf der Schiene derzeit einen Boom – vom hybrid- , über den vollbatteriebetriebenen bis hin zum Wasserstoffzug. Die in Europa über Jahrzehnte gewachsenen Normen prägen immer noch weltweit die Schienenfahrzeugentwicklung. Sie dürften aber nicht nur, wie zum Beispiel in Asien, als Checkliste genutzt werden. Es müsse wieder stärker in technische Grundlagen und Wissen investiert werden und dieses bei etablierten Wissensdrehscheiben wie dem CURRENTA-Brandschutztag in Leverkusen ausgetauscht werden.

Der nächste Brandschutztag Schienenfahrzeuge wird am 23. April 2020 stattfinden, wieder Zeit und Raum bieten für aktuelle Fragen sowie gut besucht sein.

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