Gesellschaft - 12.05.2015

Bundesweit einzigartig: Chemie-Akademie von CURRENTA und Unternehmerschaft Chemie Niederrhein

Auf den MINT-Geschmack kommen

Unter fachkundiger Anleitung von Ausbilder Ralf Pauli lernen die Schülerinnen und Schüler bei praktischen Versuchen im Labor die "Faszination Chemie" kennen.
Unter fachkundiger Anleitung von Ausbilder Ralf Pauli lernen die Schülerinnen und Schüler bei praktischen Versuchen im Labor die "Faszination Chemie" kennen.


Fragt man Köche, so werden sie sagen: Minze regt den Appetit an. Genau darum geht es auch bei der Chemie-Akademie Krefeld. Nicht im kulinarischen Sinne: Mit intensivem praxisorientiertem Arbeiten Lust und Appetit machen auf die MINT-Fächer und dem Fachkräftemangel entgegenwirken – CURRENTA und die Unternehmerschaft Chemie Niederrhein machen es in einem Kooperationsprojekt vor.

MINT ist dabei nicht der englische Begriff für Minze, sondern steht für die Abkürzung Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. In diesem Bereich geht Deutschland seit Jahren ein wenig die Puste aus. CURRENTA beweist mit der Chemie-Akademie Krefeld langen Atem für die ersten Schritte zur Qualifizierung von Fachkräften.

Bundesweit einzigartig

Im Technikum die komplexen Anlagen selbstständig zu bedienen begeistert die  chemieinteressierten Jugendlichen.
Im Technikum die komplexen Anlagen selbstständig zu bedienen begeistert die chemieinteressierten Jugendlichen.

Das bundesweit in dieser Form einzigartige Angebot hat CURRENTA im Jahr 2009 zusammen mit der Unternehmerschaft Chemie Niederrhein ins Leben gerufen. Es richtet sich an alle Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 10 an Gymnasien bzw. Jahrgangsstufe 11 an Gesamtschulen. Ein Jahr lang erhalten maximal 28 Schüler im Ausbildungszentrum Krefeld-Uerdingen der CURRENTA die Gelegenheit, an jedem zweiten Samstag im Monat fünf Stunden lang in Labors und Technikas zu festgelegten Themen zu experimentieren. Angeleitet werden die jungen Menschen von erfahrenen CURRENTA-Ausbildern. CURRENTA stellt dabei die Laboratorien und Technikas sowie die benötigten Chemikalien zur Verfügung.

Praxisnah und zukunftsorientiert

"Unser Ziel ist es, praxisnahe Einblicke in die Naturwissenschaft zu ermöglichen, das vorhandene Interesse der Schüler weiter zu fördern und einen Beitrag zur Berufsorientierung zu leisten. Weiterhin möchten wir auf die Berufsmöglichkeiten und attraktiven Karrierechancen wie zum Beispiel Duale Studiengänge im CHEMPARK hinzuweisen", erklärt Arnd Becker, Leiter der naturwissenschaftlichen Ausbildung bei CURRENTA. Eine frühzeitige Bindung an den CHEMPARK gehört ebenfalls zu den Zielen. "Darüber hinaus wollen wir auch unserer grundsätzlichen gesellschaftlichen Verantwortung nachkommen und einen Beitrag zu einer hochqualifizierten Ausbildung und Fachkräftesicherung in der gesamten Region anbieten", betont Becker.

Das Interesse der Nachwuchschemiker ist groß: Regelmäßig gehen rund 60 Bewerbungen für die 28 Plätze ein. Auf rund 35 verschiedene Schulen in Krefeld und Duisburg sowie in den Kreisen Viersen und Wesel erstreckt sich die Zusammenarbeit. "Die Kooperation mit der Unternehmerschaft hat sich bewährt und ist sehr fruchtbar. Über die entstehenden Netzwerke können wir Maßnahmen zur Berufs- und Studienorientierung bestmöglich anbieten", so Becker. Bei einem Informationsabend in den Räumlichkeiten der Unternehmerschaft erhalten die Interessenten Einblick in Voraussetzungen zur Teilnahme, die Regularien für die Bewerbung sowie den konkreten Ablauf der einjährigen Chemie-Akademie.

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Spannende Inhalte

Die Themenbereiche der Chemie-Akademie sind klar festgelegt: In einem ersten präparativen Grundpraktikum im Labor lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den grundsätzlichen Umgang mit den Apparaturen kennen. Wichtige Handgriffe wie Erhitzen, Kühlen und Abmessen üben sie in praktischen Versuchen ein. Es folgen Versuche zu physikalischen Trennverfahren und ein anorganisches Praktikum. Im Technikum erlernen die Jugendlichen verfahrenstechnische Grundoperationen. Bei instrumenteller Analytik können sie selbst Hand anlegen an die Analysengeräte.

Umweltschutz spielt ebenfalls eine Rolle. Per Photometrie gilt es, Salzgehalte von Wasserproben zu bestimmen. "Daneben stimmen wir Themen und Inhalte mit den Schulen ab und gehen bei besonderen Wünschen der Schülerinnen und Schüler auch auf Spezial- oder Zusatzthemen ein", erklärt Ausbilder Ralf Pauli. Peter Popovic, Chemielehrer am Krefelder Fichtegymnasium, ergänzt: "In der Chemie-Akademie werden wesentliche Themen des Chemieunterrichts in der Sekundarstufe II in Teamarbeit aufgearbeitet und durch Experimente im Labor und Technikum vertieft. Dabei erhalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Einblicke in Chemieingenieurthemen und in den Berufsalltag."

Positives Feedback der Teilnehmer
Stolz präsentieren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Ende der Chemie-Akademie ihr Zertifikat.
Stolz präsentieren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Ende der Chemie-Akademie ihr Zertifikat.


Bislang hat noch kein Teilnehmer das Praktikum abgebrochen, alle bislang 128 Starter haben bis zum Schluss durchgehalten. Mit viel Freude und durchweg positiven Eindrücken: "Ich habe mich schon immer für Chemie interessiert und möchte auch einmal einen chemischen Beruf ergreifen. Die praktische Arbeit in kleinen Gruppen und persönlicher Atmosphäre fand ich richtig klasse. Wir haben sehr viel Zeit bekommen, um die Versuche gründlich und in Ruhe durchführen und verstehen zu können"", sagt Juliana Kraemer (15) vom Michael-Ende-Gymnasium in Tönisvorst. Marten Dohrwardt (15) war ebenfalls zufrieden: "Die Chemie-Akademie hat mit zu meiner beruflichen Orientierung beitragen und stellt für mich eine wertvolle Hilfe bei der bald anstehenden Ausbildungs- und Berufswahl dar", betont der Schüler des Gymnasiums am Moltkeplatz in Krefeld. Ronja Baumann (15) hat bereits am Girls Day sowie einer Schnupperwoche bei CURRENTA teilgenommen. "Bei der Chemie-Akademie wollte ich meine Kenntnisse nun vertiefen und einen speziellen Einblick in die Arbeitswelt bekommen", sagt sie.

Hohe Erfolgsquote
Vor dem Arbeiten im Labor heißt es: Kittel an, Sicherheitsbrille auf. Das wissen die Schülerinnen und Schüler des aktuellen Jahrgangs ganz genau.
Vor dem Arbeiten im Labor heißt es: Kittel an, Sicherheitsbrille auf. Das wissen die Schülerinnen und Schüler des aktuellen Jahrgangs ganz genau.


90 Prozent der Absolventen haben bislang ein Chemie- oder naturwissenschaftliches Studium aufgenommen. Auch für ein Duales Studium konnten schon geeignete Auszubildende aus der Chemie-Akademie gewonnen werden. So bereitet sich Kristina Benger, Absolventin des ersten Akademie-Jahrgangs, gerade auf ihre Abschlussprüfung als Duale Studentin vor. Henrik Minten hat vor drei Jahren die Chemie-Akademie absolviert. Für ihn der richtige Push: "Ich habe danach erst einmal in der Schule den Chemie-Leistungskurs gewählt und mich anschließend für ein Duales Studium im CHEMPARK beworben", so der heute 18-Jährige. Nicht nur für seine grundsätzliche Berufsorientierung hat die Chemie-Akademie einen wichtigen Beitrag geleistet: "Ich wusste mit Ausbildungsbeginn schon, wie die Anlagen funktionieren und kannte die Ausbilder", weiß Minten um die Vorteile.

Koffein für MINT

Bis man diese genießen kann, ist es ein langer und auch anstrengender Weg. Denn immerhin: Los geht´s Samstagsmorgens um 8.30 Uhr. Aufstehen, wenn sich andere Klassenkameraden noch einmal gemütlich im Bett rumdrehen. Juliana schmunzelt: "An einem Samstagmorgen hier pünktlich zu erscheinen, erfordert für mich persönlich schon ein oder zwei Tassen Kaffee mehr am Morgen. Aber ich habe es nicht bereut. Ich bin hier wirklich auf den Geschmack gekommen."

Interview: Hartmut Schmitz, Hauptgeschäftsführer der Unternehmerschaft Chemie Niederrhein

Die Unternehmerschaft Chemie Niederrhein ist der regionale Arbeitgeberverband für die Unternehmen der Chemiebranche. Der Unternehmerschaft Chemie gehören eine Vielzahl von Firmen im Raum zwischen Kleve und Neuss an. Zu den Kernaufgaben des Verbandes gehören die Gestaltung von Tarifverträgen, sozialpolitische Aufgaben und vielseitige Beratungsleistungen für Mitgliedsfirmen in arbeits-, sozial- versicherungsrechtlichen und arbeitswirtschaftlichen Fragen. Darüber hinaus hat es sich die Unternehmerschaft Chemie Niederrhein schon vor vielen Jahren zur Aufgabe gemacht, MINT-Initiativen (Mathematik-Informatik-Naturwissenschaften-Technik) in der Region voranzubringen.

Interview mit Hartmut Schmitz

Hartmut Schmitz, Hauptgeschäftsführer der Unternehmerschaft Chemie Niederrhein
Hartmut Schmitz, Hauptgeschäftsführer der Unternehmerschaft Chemie Niederrhein

Im Jahr 2009 haben CURRENTA und die Unternehmerschaft Chemie Niederrhein die "Chemie-Akademie" ins Leben gerufen. Sie hat sich inzwischen vorzüglich bewährt. Wir sprachen mit Hartmut Schmitz, Hauptgeschäftsführer der Unternehmerschaft.

Was ist der Grund für Ihr Engagement bei der Chemie-Akademie? Was versprechen Sie sich davon?
Wir wollen mit der Chemie-Akademie Schülerinnen und Schüler mit Interesse an Chemie für die spannende Welt der Berufe in der Branche begeistern und ihnen die Möglichkeit bieten, sich praxis- und unternehmensnah mit Chemie zu beschäftigen. Davon versprechen wir uns, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Chemie-Akademie Berufe bzw. Studiengänge in naturwissenschaftlichen Ausbildungsgängen anstreben.

In welcher Form beteiligt sich die Unternehmerschaft an der Chemie-Akademie?
Die Unternehmerschaft Chemie Niederrhein hatte die Idee zur Einrichtung der Chemie-Akademie. In enger Zusammenarbeit mit CURRENTA und einem Chemielehrer wurden Inhalte und der Ablauf abgestimmt und organisiert.

Durch den guten Kontakt des Verbandes zu den Gymnasien und Gesamtschulen in der Region konnte die Zielgruppe direkt angeschrieben und auf die Chemie-Akademie aufmerksam gemacht werden. Der Verband organisiert in jedem Jahr die Neuausschreibung und die Informationsveranstaltungen; er führt das Auswahlverfahren für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch. Zwar ist die Teilnahme an der Chemie-Akademie mit einem Kostenbeitrag der Teilnehmerinnen und Teilnehmer verbunden, der allerdings die anfallenden Kosten nicht deckt. Die Unternehmerschaft Chemie Niederrhein trägt alle laufenden Kosten, CURRENTA stellt die Anlagen zur Verfügung.

In enger Absprache mit den Verantwortlichen bei CURRENTA werden die Schulungstage geplant und die erforderlichen Rahmenbedingungen abgesprochen und koordiniert. Nicht zuletzt wird für das leibliche Wohl und für den gesamten Schriftverkehr zwischen Teilnehmern und Referenten gesorgt.

Welchen Stellenwert hat die Chemie-Akademie für die Unternehmerschaft?
Die Chemie-Akademie hat für den Arbeitgeberverband einen hohen Stellenwert, denn sie ist ein bundesweit einmaliges Programm, das Nachwuchskräfte ganz gezielt für die Branche vorbereitet und fördert.

Wie beurteilen Sie das diesbezügliche Engagement der CURRENTA?
Durch CURRENTA wird die Chemie-Akademie erst möglich. Hier stehen die Infrastruktur und das Fachpersonal für die Vermittlung der Inhalte bereit. Die erfahrenen Ausbilder des Unternehmens betreuen die Jugendlichen und bringen das Projekt letztendlich zum Erfolg. Durch die uneingeschränkte Unterstützung der Verantwortlichen bei CURRENTA ist eine vertrauensvolle Zusammenarbeit sichergestellt.

Wie klappt die Kooperation mit der CURRENTA?
Hervorragend! Die Absprachen über die Planung und Durchführung werden rechtzeitig und umfassend getroffen, so dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer immer die besten Bedingungen vorfinden.

Wie lässt sich der Erfolg der Chemieakademie sichtbar machen? Sind diesbezüglich schon Erfolge zu verzeichnen?
Die Erfolge lassen sich zum einen dadurch bemessen, dass von den ausgewählten Schülerinnen und Schülern immer alle über die gesamte Laufzeit teilnehmen – vom Auswahlverfahren bis zur Verleihung der Abschlusszertifikate. Darüber hinaus haben wir in Befragungen ehemaliger Teilnehmer erfahren, dass viele ein Studium in Chemie, Medizin, Pharmazie oder duale Ausbildungsgänge – also eine Kombination aus Berufsausbildung und Studium - begonnen haben.

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